Brauchst einen SocialMedia-Berater?

Format hat einen Artikel über “Die Männer hinter den Social Media-Aggressionen von Frank Stronach” veröffentlicht. Darin wird über Rudi Fußi, Hans Arsenovic und Michael Gitzi[1] berichtet, die zusammen die Agentur Mindworker betreiben. Das Team Stronach ist einer der Kunden der Agentur. Thematisiert wird dabei die Art des Auftrittes des Team Stronach, das unter anderem “an der Tonalität geschraubt” habe. “Nun wirken die Tweets offensiv bis aggressiv.” heisst es da. Beispiele dafür werden auch angeführt.

Zwei. Im Frank-Stronach-Modus. Nochamal: Zwei Beispiele.

„Wie Ihr den Staat führt sieht man ja: 300 Mrd Schulden. Rekordarmut. Rekordkluft zwischen Arm und Reich. Bravo, SPÖ!“

ist eines davon. Weiters heißt es:

… und es wird auf Kritiken geantwortet, letzteres meist mit einer Mischung aus Häme und Belehrung: “Sein Vermögen ist nicht in Österreich. Er schafft hier Arbeitsplätze, während SPÖ Arbeitsplätze vernichtet.“ darf beispielsweise ein User erfahren.

Nun, gut, weiters nicht besonders aufregend. Rauher Ton ist einerseits Ansichtssache und andererseits im politischen Geschäft nicht besonders überraschend. Interessant wirds allerdings erst dabei, wenn man sich anschaut, was Format nicht dazu sagt.

Schauen wir uns einmal den Tweet an, wo ein “User etwas erfahren durfte”:

Also, der User ist Manfred Lamplmair, der sich, wenn man ein bisschen recherchiert, als Wiener Bezirksrat der SPÖ herausstellt. Pfff, ein rauher Ton gegen einen politischen Mitbwerber? Gut, soll sein, es ist ja noch ein zweites Beispiel angeführt.

Hoppala. Wieder Manfred Lamplmair. Hmmm. Schaut man sich das genauer an, so sind beide Tweets Bestandteil einer (!) fortlaufenden Diskussion zwischen den beiden und es ist ein Zeitabstand von zwanzig Minuten zwischend den beiden Tweets. So weit, so gut.

Dann gibts aber noch was, nämlich die Sichtbarkeit von Tweets. Wenn man jemandem auf Twitter folgt, sieht man nicht zwangsläufig alle Tweets des Accounts, dem man folgt. Insbesondere Antworten an andere sind unter Umständen nicht in der eigenen Timeline sichtbar. Sehr gut erklärt gibts das beim wuchale, daher erspare ich mir die Erklärung hier.

Fakt ist: Die beiden Tweets sehen nur jene User in ihrer Timeline[2], die Team Stronach und (!) Manfred Lamplmair gleichzeitig folgen. Nun, wer und vor allem wieviele sind das? Hier hilft das Tool twiangulate[3]:

Twiangulate Auswertung

Twiangulate Auswertung

Also: Team Stronach hat [4] ca. 1850 Follower, von denen ganze 36 (!) auch Manfred Lamplmair folgen und damit die beiden Tweets in ihrer Timeline hatten.[5]

Rudi Fußi meinte dieser Tage auf die Frage, wie viele Wähler so ein Twitteraccount bringen soll:

Ich habe keine Ahnung wie hoch der Anteil von Mindworker am Zustandekommen des Format-Artikels tatsächlich ist. Aber wenn zwei Tweets in einer Diskussion zwischen zwei politischen Mitbwerbern, die 36 (!) Twitterer in ihrer Timeline hatten, Anlass für einen Format-Artikel und Beweis für die gestiegene Angriffigkeit aufgrund einer SM-Schulung durch eine Agentur sein sollen, dann kann man nur sagen:

Mission accomplished. [6]

  1. [1]Letzteren hatte man in einer früheren Version vergessen
  2. [2]geht man direkt auf einen der Accounts, so kann man die Diskussion auch verfolgen. Nur wer macht das schon regelmäßig?
  3. [3]Link zur aktuellen Auswertung
  4. [4]zum Zeitpunkt dieses Artikes
  5. [5]Zum Zeitpunkt mögen diese Zahlen leicht anders gewesen sein, diese Unschärfe von wenigen Tagen sei hier gestattet, da sich die tatsächlichen Zahlen nicht mehr rekonstruieren lassen
  6. [6]Zumindest was die Eigen-PR angeht.
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