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Fremdwährungskredite - ein Nachtrag

09. November 2008 von Da Dirnbocher

In dem Beitrag habe ich mit Fremdwährungskrediten beschäftigt. Ich habe darin auch auf einen Artikel von Law on the Blog und zwar diesen hier Bezug genommen.

Einen Aspekt möchte ich hier noch einmal rausgreifen.

Zitat aus Law on the Blog:

Für den Finanzierer ist so eine Konstruktion natürlich das Paradies, fallen doch so viele Provisionen an, dass man sich gar nicht wehren kann: Für den Kredit selbst, für die Währungstransaktion, für den „Tilgungsträger“ (meist eine Lebensversicherung) bzw. dessen Verkauf, der kommt natürlich aus dem eigenen Haus, wo dann die Verwaltung stattfindet…

Dem sei ein weiteres Zitat, diesmal aus ORF ON stammend, wo darüber berichtet wird, dass Banken (aus Risikoakspekten?) dzt. keine Fremdwährungskredite mehr vergeben. Der Artikel schliesst mit den Worten:

Dazu kommt, dass Banken mit Euro-Krediten vielfach mehr verdienen, als mit Fremdwährungskrediten. Vermutlich ist das neben der Sicherheit ein weiterer Grund für die Einschränkungen bei der Privatkreditvergabe.

Tja, woran die Banken nun mehr verdienen, am Eurokredit oder am Fremdwährungskredit, ich weiss es nicht.

Geschrieben in internet, rechtliches | Kein Kommentar »

Übersetzungsmissverständnisse

09. November 2008 von Da Dirnbocher

Die Verpfichtung nach zweisprachigen Verkehrsschildern, ein Abwesenheitsassistent, ein etwas blauäugiger Umgang mit einer Mailantwort und schon ist es passiert.

Auf einem (neuen?) Verkehrsschild soll “Kein Schwerlastverkehr. Nur Anwohner” stehen, Da in Wales Verkehrsschilder zweisprachig sein müssen, wird per Mail eine Übersetzung angefordert. Und es kommt eine Antwort retour. Da es aber “nur” die Antwort des Abwesenheitsassistenten ist, steht in dem Mail (sinngemäß) “Bin gerade nicht im Büro”. Frei nach dem Motto “Antwort ist Antwort” und “wird schon passen” wird dieser Text auf das Strassenschild gedruckt - und sorgt klarerweise für Verwirrung.

Quelle: ORF Teletext

Sachen gibts.

Geschrieben in sachen gibts | Kein Kommentar »

Fremdwährungskredite - Fluch oder Segen?

09. November 2008 von Da Dirnbocher

Im Umfeld der Finanz(markt)krise kommen auch die Fremdwährungskredite ins Gerede - zu Recht, wie es auf den ersten Blick scheint.

Wechselkurse (Schweizer Franken, Japanischer Yen) ändern sich zu Lasten der Kreditnehmer, weshalb die aushaftende Schuld plötzlich mehr wird.
Die Tilgungsträger, sehr häufig fondsgebundene Lebensversicherungen in Kombination mit endfälligen Krediten, sind deutlich unter Plan und können aus heutiger Sicht die aushaftende Kreditsumme nicht decken.

Zu Recht also die Kritik an den Fremdwährungskrediten? Ja, sogar von Verbot ist die Rede. Law on the Blog widmet sich auch dem Thema, wobei die Formulierungen eindeutig zu sein scheinen:

Fremdwährungskredite immer noch verkauft!

So die Überschrift, und

Nichts desto trotz wirbt eine große Österreichische Versicherung nach wie vor offensiv für ihr “Kombikreditprodukt“.

Wobei sich das “nichts desto trotz” auf die Risken und (sogar!) die Warnungen der Finanzmarktaufsicht bezieht.

Weiters wird die Provisionsthematik angeschnitten, dass nämlich ein Vermittler bei einer derartigen Kombilösung durch Provisionen mehrfach “mitschneiden” kann.

Richtig ist, dass Fremdwährungskredite einen Währungsrisiko haben.
Richtig ist, dass Kombilösungen (endfälliger Kredit mit kapitalmarktorientierten Tilgungsträge) ein Kapitalmarktrisiko mit sich bringen, dass - wie man aktuell sieht - massive Verluste nach sich ziehen kann.
Richtig ist, dass ein Vermittler von Anbieter durch Provision bezahlt wird, und nicht von dem, den er optimal beraten soll.

Ist das alles ein Grund gegen Fremdwährungskredite zu wettern, oder diese gar zu verbieten?

Provision
Die Frage, ob die Art der Entlohnung des Beraters (durch Provision des Anbieters und nicht durch den zu Beratenden) die Qualität der Beratung beeinflusst, ist wohl eine grundsätzlichere Fragestellung, die nicht unmittelbar mit Fremdwährungskrediten zusammenhängt.

Währungsrisiko
Die Stärkung (oder Schwächung) einer Währung gegenüber einer anderen führt dazu, dass Schulden in einer anderen Währung als der eigenen steigen oder sinken können. Bei einem endfälligen Kredit ist aber der aktuelle Umwechslungskurs im Grunde irrelevant, relevant ist der Kurs zum Zeitpunkt der Tilgung.

Das ändert zwar grundsätzlich am vorhandenen Risiko nichts, insbesondere, da bei langfristigen Krediten trotzdem der Kurs zu einem Zeitpunkt (am Ende der Laufzeit) über die Höhe der zu tilgenden Schuld entscheidet. Es relativiert aber trotzdem die Argumenation über (aktuelle) und falls noch nicht fällig, bloss “rechnerische” Verluste. Abgesehen, dass Risken immer auch Chancen bedeuten.

Jedenfalls wäre es möglich, Fremdwährungskredite auch als Tilgungskredite und nicht als endfällige zu gestalten. Damit wäre das Risiko durch Währungsschwankungen (wie auch die Chancen) durch den cost average effect reduziert.

Kapitalmarktrisiko
Wird ein Fremdwährungskredit als Tilgungskedit gestaltet, so ist in der Regel kein Tilgungsträger, und schon gar nicht mit sehr hohen Risikopositionen notwendig.

Selbst in der Tilgungsträgervariante sind unterschiedliche Risikopositionen einnehmbar (zB klassische Lebensversicherung vs. fondsgebundene Lebensversicherung)

Ergebnis
Alles in allem sehe ich keinen Grund Fremdwährungskredite per se für “böse” zu erklären. Zu hinterfragen ist allerdings, inwieweit die Beratung dem Risiko angemessen war, und inwieweit die Kreditnehmer über die damit verbundenen Risken informiert waren/sind.

Ja, aber was ist mit “Der Häuselbauer als Finanzspekulant!” ? Das kann ja nicht Sinn der Sache sein. Ja, diese Position kann man vertreten. Mit guten Gründen. Mit sehr guten Gründen. Klar.

Glaubt man den diversen Statistiken und bedenkt man dabei, dass das österreichische Volk im Sparverhalten tendenziell risikoavers, im Schuldenverhalten deutlich risikofreudiger ist, ist das eine weitere Bestätigung für “Der Häuselbauer als Finanzspekulant!” kann ja nicht Sinn der Sache sein.

Andererseitss fördert der österreichische Staat die Pensionsvorsorge, der Staat verwendet die sogenannte 3. Säule (teilweise) zur Belebung des Kapitalmarktes. Die Zukunftsvorsorge wird mittels Prämienzahlung gefördert und muss dafür mind. in 40% österreichischen Aktien (bzw. aus vergleichbaren Kapitalmärkten) investieren.

“Der Häuselbauer als Finanzspekulant!” soll so schlecht und böse sein, wenn gleichzeitig der “Pensionsvorsorgende als Finanzspekulant” modern, innovativ und staatlich gefördert ist?

Nein, das verstehe ich nicht.

Geschrieben in internet, rechtliches | Kein Kommentar »